EOS 550D als Astro-Kamera

EOS 550DObwohl die Canon EOS 550D schon seit März 2010 auf dem Markt ist, bietet sie immer noch viele Möglichkeiten für Astrofotografie. Ob Landschafts- und Sternfeldaufnahmen, Deep Sky oder sogar hochaufgelöste Planetenbilder per Videoastronomie – alles ist möglich.

 

Sensor und Bildqualität

Die EOS 550D verwendete den 18-Megapixel-Sensor im APS-C-Format (22,3 x 14,9 mm) mit dem DIGIC4-Bildprozessor, der auch in der 7D und mehreren Nachfolgemodellen (600D, 650D u.a.) zum Einsatz kam. Gegenüber früheren Modellen (mein direkter Vergleich: EOS 1000D und 500D) ist nicht nur die Auflösung, sondern auch das Rauschverhalten deutlich verbessert. Für den Einsatz in der Astrofotografie ist das ein wichtiges Kriterium, weil dort oft lange Belichtungszeiten bei höherer Lichtempflindlichkeit (ISO) erforderlich sind. Für mein Empfinden hält sich das Farb- und Luminanzrauschen bis ISO 1600 im erträglichen Rahmen, der beste Kompromiss zwischen Lichtempfindlichkeit und Rauschen liegt bei 800 ISO. Man kann aber auch deutlich höhere Werte bis zu 12.800 ISO (H-Modus) einstellen. Das mag in Hinblick auf die Bildqualität wenig sinnvoll sein, ermöglicht aber die Scharfstellung per Live-View am Kamera-Monitor.

EOS 550D

Sucher und Kameramonitor

Scharfstellung ist eines der kritischsten Punkte bei der Astrofotografie, egal ob mit konventionellen Objektiven oder direkt am Teleskop (Anschluss am Teleskop siehe hier: Kamera am Teleskop – aber wie?)  Autofokus ist natürlich bei diesem Einsatzgebiet nicht möglich. Leider funktioniert es meistens auch nicht, die Entfernungseinstellung am Objektiv einfach bis zum Anschlag auf “Unendlich” zu stellen. Jedes Objektiv hat Fertigungstoleranzen sowie einen gewissen Spielraum für temperaturbedingte Veränderungen; auf eine präzise Einstellung von Hand kann man also nicht verzichten. Für eine erste grobe Fokussierung ist der Sucher durchaus geeignet. Eine genaue Beurteilung der Schärfe ist allerdings nicht möglich. Hier kommt nun der LCD-Monitor ins Spiel: Bei hoher ISO-Einstellung sind bereits mittel-helle Sterne deutlich zu sehen. Mit der Vergrößerungsfunktion bis 10x kann man sehr genau feststellen, ob man den Fokuspunkt getroffen hat. Auch bei der Bildkontrolle nach der Aufnahme ist die Vergrößerungsfunktion sehr nützlich.

 Steuerung

Astrofotografie erfordert lange Belichtungszeiten und Belichtungsserien. Mit der beiliegenden Software EOS Utility lässt sich die 550D (wie auch andere Canon-Modelle) umfassend fernsteuern. Die Kamera wird dazu einfach per USB-Kabel mit einem Windows-Rechner verbunden. Ein vergrößertes Live-Bild auf dem Computermonitor, Belichtungsserien, Langzeitbelichtungen im Bulb-Modus – alles ist möglich. Details zur Kamerasteuerung per Computer sind in diesem Artikel hier auf der Seite zusammengefasst: Canon EOS- Fernsteuerung per Computer.

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EOS Utility

Neben der Steuerung per Computer gibt es bei der 550D noch eine weitere elegante Möglichkeit: Die Firmware-Erweiterung “Magic Lantern”. Diese Software wird auf die Speicherkarte der Kamera installiert und ergänzt die serienmäßige Firmware um eine Vielzahl weiterer Funktionen. Damit lassen sich Langzeitbelichtungen, Serienaufnahmen und vieles mehr realisieren. Auch dazu gibt es hier auf der Seite nähere Informationen: Canon EOS steuern per Magic Lantern

Magic Lantern

EOS mit Firmware Magic Lantern

Einsatz als Planetenkamera

Hoch aufgelöste Planeten- und Mondfotos werden üblicherweise per Video-Astronomie angefertigt. Ein Video des Planeten mit einigen 1000 Einzelbildern wird mit einem Programm wie Registax, AutoStakkert! oder anderen bearbeitet. Dabei sortiert die Software die Bilder nach Qualität und überlagert die besten Aufnahmen (“Stacking”). Ein großer Sensor mit einer hohen Pixelzahl ist dafür nicht erforderlich – im Gegenteil: Modifizierte Webcams, Industriekameras oder spezielle Planetenkameras arbeiten oft nur mit einer Auflösung von 640 x 480 Pixel oder weniger. Dafür haben sie aber sehr kleine, feine Pixel und eine sehr hohe Bildrate. Die beliebte ZWO ASI12mm hat zum Beispiel eine Pixelgröße von nur 3.75µm auf einem winzigen 1/3″ Sensor. Doch auch die 550D kann beachtliche Ergebnisse liefern, wie diese Jupiteraufnahme zeigt:

Jupiter

Jupiter März 2015

Der Trick: Die EOS 550D verfügt über den “Reduced Video Mode” Dabei werden nur nur die mittleren 640 x 480 Pixel des Sensors mit einer Rate von 50 Bildern pro Sekunde ausgelesen. Die Pixel sind zwar größer (4,3 µm gegenüber 3,75µm bei einer Planetenkamera), aber noch immer fein genug für fein detaillierte Planetenfotos.

Alternativ kann man auch das Programm EOS Camera Movie Record verwenden, wie hier beschreiben: Canon EOS als Astro-Webcam: EOS Camera Movie Record.

 Fazit

Die EOS 550D ist ein vielseitiges Werkzeug für Astrofotografie. Sie ist eigentlich für alle Bereiche -Mond und Planeten, Sternfelder, Deep Sky u.a- einsetzbar, auch wenn die Ergebnisse hinter spezialisierten Kameras (CCD für Deep Sky, Planetenkameras) zurückbleiben. Besondere Pluspunkte sind der ausgezeichnete Sensor, der sich u.a. auch in den Modellen 7D, 600D, 650D findet, sowie die umfassenden Möglichkeiten zur Fernsteuerung.

 

Buchtipp: Canon EOS 550D. Das Kamerahandbuch: Ihre Kamera im Praxiseinsatz (Galileo Design)