Riesensterne und Nebel: Unterwegs im Orion

Der OrionGroßer Orionnebel und "Running Man" ist wohl das bekannteste Sternbild des Winterhimmels. Es enthält einige außergewöhnliche Sterne und die wohl beeindruckendsten Nebelregionen des Nordhimmels. Zeit für eine kleine Rundreise… mit bloßem Auge, Fernglas, Teleskop und Kamera.

Orion finden

Orion

Orion in der Dämmerung (Volle Auflösung: Klick auf das Bild)

Orion ist ein reines Wintersternbild. Im Dezember geht er mit der Dämmerung im Osten auf, steht gegen Mitternacht im Süden und geht im Osten unter. Auf dem Bild oben ist das Sternbild zu sehen: Über dem Baum stehen drei Sterne in einer Linie – das sind die “Gürtelsterne”. Darüber stehen zwei helle Sterne, die den oberen Teil der Figur bilden. Unter dem Gürtel findet sich ein heller, nebliger Fleck, das “Schwertgehänge”, und zwei weitere Sterne, die den unteren Teil des Körpers bilden. Rechts neben dem Körper findet sich eine halbkreisförmige Linie schwacher Sterne, der “Bogen” des Himmelsjägers – damit wäre die Figur komplett.

Sternbild Orion

Die Super-Sterne im Orion

Sternbild Orion

Sternbild Orion

Die hellsten Sterne im Orion sind der bläuliche Rigel (im Bild rechts unten) und der rötlich leuchtende Beteigeuze (links oben). Beides sind Riesensterne, aber mit unterschiedlichen Eigenschaften. Rigel ist ein gehört in die Klasse der Blauen Riesen – und riesig ist er tatsächlich: Er ist rund sechzig mal größer als unsere Sonne und leuchtet ca. 46.000 mal heller. Blaue Riesen wie Rigel sind extrem massereich, gehen mit ihrem “Brennstoff” allerdings auch verschwenderisch um und erreichen nur ein vergleichbar “kurzes” Sternleben von einigen 10 Milliarden Jahren. Danach blähen sie sich zum “Roten Überriesen” auf und enden in einer gewaltigen Explosion als Supernova. Rigel steht kurz vor dem Übergang zum Roten Überriesen.

Beteigeuze (arab. für “Hand der Riesin”, links oben im Bild) hat sich bereits zum Roten Überriesen entwickelt. Sein Radius ist sogar rund 1000 mal größer als der unserer Sonne. Rote Überriesen haben bereits ihren Wasserstoff-Vorrat “verbrannt” (zu Helium fusioniert). Wenn das passiert, stürzt ein Stern in sich zusammen. Der Druck im Inneren wird dabei so hoch, dass jetzt auch Helium und Kohlenstoff fusioniert werden können. Der enorme Strahlungsdruck dieses Vorgangs bläht den Stern wieder auf gewaltige Dimensionen auf. Auch das Ende ist abzusehen: Er wird innerhalb der nächsten 1000 bis 100.000 Jahre als Supernova enden.

Die Nebel im Orion

Großer Orionnebel und "Running Man"

Großer Orionnebel und “Running Man” (Volle Auflösung: Klick auf das Bild)

Großer Orionnebel (Messier 42)

Unterhalb der “Gürtelsterne” lässt sich ein mattes Leuchten erkennen, das “Schwertgehänge” des Orion. Hier liegt in rund 1350 Lichtjahren Entfernung von der Erde der große Orionnebel (Messier 42, Bildzentrum) und einige weitere Nebelobjekte. Der Große Orionnebel ist bereits im Fernglas zu erkennen; im Teleskop zeigt er eine Fülle von Details und kann bei guten Bedingungen sogar leicht farbig gesehen werden. Seine Ausdehnung wird auf 24 Lichtjahre geschätzt.
Der Orionnebel ist ein Emissionsnebel, also eine Molekülwolke, die durch die Energie von Sternen der Umgebung zum Leuchten angeregt wird. Wir blicken dabei direkt in eine “Sternfabrik”: In seinem Inneren bilden sich neue Sterne. Der sehr helle Bereich ist das “Trapez” – eine Gruppe von vier sehr jungen, heißen Sternen, die vor rund 1 -2,5 Millionen Jahren aus dem Material des Nebels entstanden sind.

“Running Man” und seine Nachbarn

Etwas oberhalb des großen Orionnebel liegt NGC 1977, der “Running Man” Nebel (im Bild links oben). Dieses Objekt gehört zu der Molekülwolke des Großen Orionnebels, ist aber ein Reflexionsnebel. Das Licht eines heißen, jungen Sternhaufens in seinem Inneren wird von einer Wolke aus Staub und Gasen reflektiert und zeigt einen charakteristischen Blauton. Durch Unregelmäßigkeiten in der Dichte der Wolke kann man mit etwas Fantasie die Figur eines laufenden Männchens erkennen. Am Rand liegen zwei weitere Reflexionsnebel mit der Bezeichung NGC 1973 und NGC 1977.

Weitere Nebel

Sternbild Orion

Sternbild Orion

Barnard’s Loop

Barnard’s Loop ist ein sehr schwieriges Objekt für visuelle Beobachter. Er bildet einen Halbkreis von rund 14 Grad auf der linken Seite der Orion-Figur, hebt sich aber nur wenig vom Hintergrund ab. In der Übersichtsaufnahme zu Beginn des Artikels ist er schwach zu sehen. Am besten ist er eigentlich auf Weitfeld-Aufnahmen der Orion-Region zu erkennen. Er dehnt sich über rund 300 Lichtjahre aus und gehört ebenfalls zu der Gas- und Molekülwolke im Orion.

IC 434 und Pferdekopfnebel (“Horsehead Nebula”)

Auf der linken Seite von Orions Gürtel, am äußersten Gürtelstern Altinak, liegt der Nebel IC 434. Wegen der Helligkeit Altinaks ist er visuell nur schwer zu erfassen. Bekannt ist er vor allem wegen einer Dunkelwolke in seinem Inneren, die wie die Silhouette eines Pferdekopfs aussieht – der sogenannte “Horsehead Nebula” oder Pferdekopfnebel. In der Übersichtsaufnahme ist IC 434 am linken Rand des Gürtels zu sehen.

Messier 78

Nördlich von Altinak findet sich der Reflexionsnebel Messier 78. Im Vergleich zu den anderen Nebelobjekten im Orion wirkt er recht unscheinbar. Tatsächlich ist er aber mit Mag 8.3 der hellste Reflexionsnebel am Nordhimmel. Im Teleskop erscheint er als diffuser Nebelfleck, im Foto zeigt er die bläuliche Färbung eines Reflexionsnebels.