Selbstbau-Teleskopsäule

SäuleEine parallaktische Montierung mit automatischer Objektpositionierung (“GoTo”) und Nachführung ist eigentlich eine feine Sache. Der Nachteil: Aufbau und Ausrichtung sind etwas zeitaufwendig. Aus diesem Grund habe ich mir eine feste Teleskopsäule für die Celestron CAM Montierung gebaut. So geht’s…

Die Vorarbeit wurde von einer Gartenbaufirma erledigt:  Eine ebene, gepflasterte Plattform mit einem Betonfundament. Die weitere Materialliste ist denkbar kurz:

Alles in allem beliefen sich die Materialkosten auf ca. 120 Euro.

1. Schritt: Säulen-Fundament

Teleskop-Säule im Bau

Das Kanalrohr wurde in den Pflanzstein gestellt und genau in die Waagrechte ausnivelliert (einige dünne Styropor-Plättchen halfen dabei). Dann wurde der Pflanzstein mit Beton-Estrich ausgefüllt; das Rohr wurde bis auf die Höhe der Pflanzstein-Oberkante ebenfalls mit Beton-Estrich ausgefüllt. Nach dem Auffüllen habe ich nochmals kontrolliert, ob das Rohr senkrecht steht, und geringe Korrekturen vorgenommen. Dann durfte die Konstruktion für zwei Tage aushärten.

2. Schritt: Einbau des Montierungsadapters

Der Montierungsadapter besteht aus einer Alu-Platte, die auf die Maße der Celestron CAM (AS-GT) und anderer EQ5-Clones angepasst ist. Vier Gewindestangen tragen diesen Adapter. Über die Schraubmuttern kann auch noch nachträglich die Nivellierung innerhalb gewisser Grenzen angepasst werden, falls die Säule doch nicht 100% gerade sein sollte.

Säule

Mit Kompass wurde die Nordrichtung ermittelt und am Kanalrohr markiert. Dann habe ich das Rohr bis kurz unter den Rand mit relativ wässrig angerührtem Betonestrich ausgegossen und den Montierungsadapter eingesetzt. Der kleine Stift, der zur Ausrichtung der Montierung benötigt wird, wurde genau auf die Nordseiten-Markierung ausgerichtet. Die Alu-Platte wurde per Wasserwage waagrecht ausnivelliert und in dieser Position fixiert. Nun war wieder Zeit, den Beton aushärten zu lassen.
Eigenbau-Teleskopsäule, Montierungsadapter

3. Schritt: Montierung ausrichten, Verschönerungsarbeiten

Die Celestron-Montierung lässt sich über eine M 10 – Schraube im Adapter befestigen. Dabei bleibt sie in der Waagrechten noch beweglich und kann mit den beiden Stellschrauben noch genauer ausgerichtet werden. Per Polsucher wurde in der nächsten klaren Nacht eine genaue Einnordung der Montierung am Polarstern vorgenommen; evtl. werde ich zu einen späteren Zeitpunkt die Montierung noch per Scheiner-Verfahren (“einscheinern”) genauer ausrichten.

SäuleEin orangerotes Kanalrohr im Garten ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Ich habe das Rohr daher mit Acryl-Außenfarbe noch weiß lackiert.

Der Bau der Säule war recht kostengünstig zu realisieren und war ein echter Gewinn für die Beobachtungspraxis. Das zeitaufwendige Aufstellen und Justieren der Montierung entfällt – Teleskop draufsetzen und es kann losgehen! Die Betonsäule bildet eine sicherere, feste Grundlage für Montierung und Teleskop, so dass auch ein deutlicher Stabilitätsgewinn festzustellen ist. Insgesamt ein sehr empfehlenswertes Projekt für Amateur-Astronomen!

NACHTRAG: Die Säule tut mittlerweile seit rund vier Jahren ihren Dienst. Alles ist soweit stabil und gerade geblieben. Eines würde ich bei einem Neubau noch ändern: Die Betonfüllung der Säule würde durch ein paar Armiereisen noch an Stabilität gewinnen.

Epilog: Das Ende…

Eigentlich hat fast alles mit der Säule so geklappt, wie ich es mir vorgestellt habe – bis auf ein kleines Detail, das ich nicht bedacht hatte. Eine sehr wuchsfreudige Blutbuche im Garten ist mittlerweile so groß geworden, dass ein großer Bereich Richtung Süden weitgehend verdeckt ist.

Säule & Buche

Ein Umzug oder Neubau der Säule ist damit leider unumgänglich geworden. Leider passt meine neue Montierung (EQ6) nicht mehr auf den Adapter, und ein neuer Adapter passt leider auch nicht auf die Säule.. das war’s dann wohl.

Der Montierungs-Adapter ist mittlerweile verkauft.  Die Säule gibt’s noch – falls Sie Verwendung dafür haben und sie selbst abholen können (wiegt ca. 80 kg), melden Sie sich doch einfach kurz per Mail (siehe Impressum).

Die Säule Version 2.0 ist bereits geplant – Baubericht (hoffentlich) demnächst hier auf dieser Webseite.