“Supermond” und Mondillusion

MondAm 14.11.2016 ging die Nachricht durch alle Medien: Der “Supermond” ist zu sehen! Aber was genau war nun so “super” an diesem Vollmond? Hier ein kurzer Beobachtungsbericht und einige Hintergrundinformationen.

Beobachtungen

"Supermond"?

Um den “Supermond” zu dokumentieren, suchte ich mir einen Standort auf einem Hügel westlich von Langenfeld (Mittelfranken). Gegen 17.15 Uhr zeigte sich auf der gegenüberliegenden Hügelkette ein heller Schimmer, dann schob sich der Mond innerhalb weniger Minuten über den Horizont. In dieser tiefen Stellung erschien die Oberfläche in einem intensiven Rotton, und tatsächlich wirkte der Mond direkt über dem Horizont riesengroß. Während der Mond langsam aufstieg, veränderte sich auch die Farbe: Die rötliche Färbung wurde orange, dann gelb…

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… und schließlich strahlte der Vollmond fast weiß vom Himmel. Jetzt, da er höher über dem Horizont stand, wirkte er nicht mehr ganz so groß.

Die Umlaufbahn und der “Supermond”

Wie kommt es denn nun zu einem “Supervollmond”? Die Umlaufbahn des Monds um die Erde ist leicht elliptisch (“oval”) mit einem erdnächsten Punkt (Perigäum) und erdfernsten Punkt (Apogäum). Dabei schwankt die Entfernung zur Erde zwischen 405.000 km (Mittelwert der Entfernung am erdfernsten Punkt) und 363.000 km (Mittelwert am erdnächsten Punkt); durch komplexe Bahnstörungen (z.B. durch die Sonne) können diese Werte noch etwas über- oder unterschritten werden. Wenn sich der Mond am erdnächsten Punkt in Vollmond-Position befindet, erscheint er größer und heller als gewöhnlich.

Dies war auch am 14.11.2016 der Fall. Der Mond war nur ca. 356.000 km von der Erde entfernt und erschien damit um 8% größer als der durchschnittliche Vollmond, und sogar 14% größer als der Vollmond in maximaler Entfernung. Ist das also die Erklärung, warum unser Trabant an diesem Abend so riesig über dem Horizont erschien?

Trotz der vielen Bilder mit einem “Riesenmond”: Nein! Einem Beobachter, der von den ganzen Berichten nichts mitbekommen hätte, wäre kaum ein Unterschied aufgefallen. Die vielen Bilder zeigen etwas ganz anderes: Die sogenannte “Mond-Illusion” (oder Mondtäuschung).

Psychologie trifft Astronomie: Die Mond-Illusion

Misst man bei einem Foto die tatsächliche Ausdehnung des “Riesen-Mondes” bei seinem Aufgang und vergleicht das mit einem späteren Foto, bei dem er hoch am Himmel steht, kommt ein überraschendes Ergebnis heraus: Die Anzahl an Pixeln unterscheidet sich nicht! Der Größenunterschied liegt lediglich in unserer Wahrnehmung.

Steht der Mond tief über dem Horizont, sehen wir Bezugspunkte wie Gebäude, Bäume oder Landschaftsmerkmale. Unser Gehirn “berechnet” das Bild des Monds im Maßstab zu diesen Bezugspunkten und lässt ihn größer erscheinen. Steht der Mond hoch am Himmel, fehlen die Bezugspunkte – er sieht damit wieder kleiner aus.

Rot, gelb, grau? Die Farbe des Monds

Beeindruckend war auch der Farbwechsel: Tief über dem Horizont war der Mond tiefrot, und während er höher stieg, veränderte sich die Farbe über orange zu gelb und schließlich zu weiß-grau. Auch eine Illusion?

In diesem Fall steckt tatsächlich echte Physik dahinter. Die Atmosphäre der Erde wirkt wie ein Prisma, das das weiße Licht der Sonne in alle Regenbogenfarben aufspaltet. Wenn der Mond tief steht, passiert das Licht eine lange Strecke durch die Lufthülle und wird dabei in seine Spektralfarben zerlegt: Von unter her ist das (wie beim Regenbogen) rot, gelb, grün und blau.

Der tiefstehende Mond wird zunächst nur von den roten Wellenlängen angestrahlt und erscheint dadurch in einer Rotfärbung. Wenn er aufsteigt, durchquert er den Bereich der anderen Farben. Sobald er hoch genug steht, dass auch grün und blau dazukommen, addieren sich die Farben wieder zu weiß – und hoch am Himmel strahlt ein weiß-grauer Vollmond.

Aber trotz aller nüchternen, wissenschaftlichen Erwägungen: Das Schauspiel, wie der riesengroße Mond über den Horizont aufstieg und dann zu einem strahlend hellen Vollmond wurde, war ein faszinierendes Erlebnis – auch wenn die Bezeichnung “Supermond” denn doch etwas aufgeregt und übertrieben scheint.