Polarlichter in Franken: Am 19. Januar 2026 traf der stärkste Sonnensturm seit circa 20 Jahren die Erde. Die Folge: ein regelrechtes Feuerwerk am Himmel. Es waren Strukturen zu sehen, die man eher irgendwo im hohen Norden erwarten wurde. Hier ein Beobachtungsbericht mit Hintergründen, Bildern und einem Zeitraffervideo dieses außergewöhnlichen Ereignisses.
Ein mächtiger Sonnensturm
Am 18. Januar kam es auf der Sonne zu einem starken Ausbruch, einer sogenannten Koronalen Massenauswurf (CME). Dabei werden geladene Teilchen mit hoher Geschwindigkeit ins Weltall ausgestoßen. Der “Sonnensturm”, der daraus entsteht, strömt in eine beliebige Richtung von der Sonne weg. Dass ein solcher Sturm die Erde trifft, ist nicht sehr wahrscheinlich: Unser Planet deckt von der Sonne aus gesehen nur eine Fläche wie ein Stecknadelkopf aus 10 Metern Entfernung ab. Trotzdem kam es am 19. Januar tatsächlich zu einem “Treffer”.

Sonne und Erdmagnetfeld (NASA), https://www.esa.int/ESA_Multimedia/Images/2007/10/The_Sun-Earth_connection
Wenn die geladenen Teilchen auf die Erde treffen, werden sie vom Magnetfeld abgelenkt und folgen den Feldlinien. Das Magnetfeld wird regelrecht eingedrückt. Wenn dann die Teilchen weit genug in die Atmosphäre eindringen, reagieren Sie mit den Gasen und rufen Leuchterscheinungen hervor – die Polarlichter.
Polarlichter-Warnung
Polarlichter in Franken sind ein seltenes Ereignis. Es gibt eine Reihe von Diensten, die auf Polarlichter hinweisen, zum Beispiel https://spaceweather.gov oder die deutsche Seite https://polarlicht-vorhersage.de . In meinem Fall war es die Nachricht eines Astrofreundes: Es gibt Polarlichter!
Ein kurzer Blick ins Freie zeigte, dass da etwas Besonderes passierte. Häufig sind Polarlichter in unseren Breiten nur über eine Langzeitbelichtung mit einer Kamera nachzuweisen. In diesem Fall aber nicht! Der ganze Nordhorizont war aufgehellt und leuchtete rötlich.
Polarlichter-Jagd mit der Kamera
Um dieses Ereignis zu dokumentieren, baute ich gleich die Kamera auf. Eine altgediente Fuji XT-2 auf einem Stativ wurde auf Intervallaufnahme mit je 30 Sekunden Belichtungszeit bei 3200 ISO gesetzt. Eigentlich ist das eine Standardeinstellung, aber in dieser Nacht war es so hell, dass einzelne Bilder fast überbelichtet waren.
Das Feuerwerk beginnt
Zu Beginn gegen 20.00 Uhr waren vor allem rote Strukturen am Nordhorizont zu sehen. Sie wurden dunkler und heller, leuchteten zeitweise stark auf und bedeckten einen weiten Bereich. Es war sichbtar heller. Dann wurden die Lichter noch stärker. Bei den roten Schleiern bildete sich eine breite Linie, die dann schnell an Helligkeit gewann und intensiv grün leuchtete.
Ein unglaubliches Schauspiel
Mittlerweile hatte die Kamera den ersten Akku entladen. Beim Akkuwechsel kam dann eine neue Struktur auf. Im Nordosten, über dem Nachbarort Baudenbach, breiteten sich die roten Schleier aus. Dann kamen kurze, intensiv grün leuchtende Wolken auf, die fast bis in den Zenit reichten.
Ich drehte die Kamera zu diesem Schauspiel hin. Dabei musste ich allerdings feststellen, dass mein Weitwinkel-Objektiv nicht reichte, um das gesamte Spektakel zu erfassen. Wie bei einem Feuerwerk glühte und blitze es über den gesamten Himmel von West über Nord bis nach Osten. Ein unwirkliches Schauspiel, das ich sicher nicht so schnell vergessen werde.
Inzwischen ging es auf Mitternacht zu. Die Intensität der Lichter hatte nachgelassen, und die beißende Kälte (es hatte ca. -7°) kroch langsam in die Kleidung. Die Kamera bekam noch einmal einen frischen Akku und fotografierte tapfer weiter. Für mich war’s dann Zeit, ins Warme zu kommen und so langsam mal schlafen zu gehen.
Der nächste Morgen – Auswertung der Bilder
Am nächsten Morgen holte ich noch die tiefgekühlte Kamera mit einer dicken Reifschicht wieder herein. Ein erster Überblick auf die Speicherkarte zeigte, dass viele spektakuläre Bilder dieses Ereignisses festgehalten wurden. Durch die Intervallaufnahme war es außerdem möglich, die Bilder zu einem Zeitraffer-Video zusammenzustellen, das Sie hier auf Youtube ansehen können. Es gibt wohl besser als die Fotos wieder, was für ein Feuerwerk an diesem Abend zu bestaunen war.
Polarlichter in unseren Breiten sind sehr selten. Schon bei den Polarlichter, die man gelegentlich in den Vorjahren beobachten konnte, war ich völlig fasziniert. Was aber an diesem Abend zu sehen war, übertraf alle früheren Beobachtungen deutlich. Ich hätte nie gedacht, jemals so intensive Leuchterscheinungen in unserer Gegend bewundern zu können. Und es gibt noch Potenzial: Die Sonne durchläuft zur Zeit eine Phase hoher Aktivität. Wer weiß, ob wir noch öfter Polarlichter in Franken beobachten können?
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